LeJEUNE, Henri · Paris 1812

Anfang des 19. Jahrhunderts steckte die Entwicklung der Gitarre noch ziemlich in den Anfängen. Henri LeJEUNE war Gitarrenbauer in Paris und Zeitgenosse von LACOTE, der wesentlich bekannter geworden ist. Doch die handsignierte Gitarre von LeJEUNE zeigt für die damalige Zeit recht fortschrittliche Details, z.B. ein Griffbrett als eigenes Bauteil, d.h. die Bünde sind nicht direkt in den Hals eingelassen. Zudem reicht das Griffbrett mit seiner Verlängerung in die Decke hinein fast bis zum Schalloch, und es trägt eingelassene Bundstäbchen aus Knochen oder Elfenbein (anstatt geknüpfte Bünde aus Darm). Die Brücke trägt allerdings noch keine richtige Steg-Auflage für die Saiten. Der sehr zierliche Korpus weist eine Fichtendecke sowie massives Rosenholz für Zargen und Boden auf; letzteres war damals eher unüblich (heute gilt es als selbstverständlich bei hochwertigen Instrumenten), als Stand der Baukunst galt damals Fichte mit aufgeleimtem Edelholz-Furnier. Die reichlichen Perlmutt-Intarsien mit Dreieck-Muster wirken recht auffällig, geradezu spektakulär gar der Stern im Schall-Loch! Für damalige Verhältnisse stellen sie in ihrer relativ einfachen Art jedoch keine handwerkliche Spitzenleistung dar. Trotzdem: Diese Gitarre ist ein schönes Stück und klingt überraschend voll, gemessen an ihrer Größe bzw. Kleinheit. Sie ist dezent restauriert (vor allem der Boden zeigt reparierte Risse), die Decke ist rissfrei und unlackiert, die Saitenlage ist gut, die Ebenholz-Wirbel sinde nicht original. – Ich fand sie 1987 (mehr oder weniger) zufällig in dem traumhaften Musik-Instrument-Antiquitäten-Laden von M. Bissonnet in Paris, versteckt in einem bezaubernden Original-Holz-Koffer. Ein echtes kleines Schmuckstück! -- Und im Nachhinein entdeckte ich sogar noch einen Bezug zu C.F.MARTIN: Im Buch "MARTIN GUITARS" von J. Washburn & R. Johnston ist auf Seite 23 eine Gitarre abgebildet von einem Charles Martin (offenbar nicht verwandt mit seinem Namensvetter Christian Friedrich), "... successeur de Mr. LeJEUNE, Paris"! Demnach hatte der Name LeJEUNE damals offenbar einen guten Ruf. Die abgebildete Gitarre des Nachfolgers wirkt von der Bauweise übrigens eher altertümlich im Vergleich zu der hier vorgestellten von Henri LeJEUNE.