Lautengitarren, Mark Neukirchen · Anfang 20. Jahrhundert

Lautengitarren waren Anfang des 20. Jahrhunderts wie die Wandergitarren weit verbreitet und beliebt bei der populären (Volks-)Liedbegleitung, in (fast) allen Lebenslagen. Sehr viel wurden in Markneukirchen im Vogtland hergestellt, einem Zentrum des Musikinstrumentenbaus. Wer einmal so eine Lautengitarre beim Wandern, am Lagerfeuer oder im Ruderboot sitzend (oder sonst wie) gespielt hat, weiß warum sich langfristig die Gitarren-Form durchgesetzt hat, auch wenn die Laute (je nach Geschmack) vielleicht schöner, romantischer, altertümlicher aussieht und schon was hermacht. Doch sie rutscht dem Spieler laufend weg, es sei denn er pflegt die ganz klassische Speil-Haltung (im Ruderboot...). – Lautengitarren unterscheiden sich von den ´klassischen` Barock-Lauten durch die Zahl ihrer Saiten (nämlich sechs, gestimmt wie eine Gitarre), den längeren Hals mit bis zum Schalloch reichenden Griffbrett, einen meist durchbrochenen Kopf mit Stimm-Mechaniken, und einen flacheren Korpus in Muschelform aus weniger Spänen (besser für die Handlichkeit, schlechter für den Ton).

 

1. CORONA / Schuster · 1902

Diese Lautengitarre trägt einen Brandstempel und ist datiert: Sie stammt aus der Sächsischen Musikinstrumenten-Manufaktur SCHUSTER & Co. "CORONA" in Markneukirchen. Dort wurden vielerlei Instrumente hergestellt. Die Lautengitarre ist ein recht frühes Modell und vergleichsweise aufwendig gebaut: geschnitzter Kopf, gekehltes Griffbrett mit Stäbchen-Bundierung, Halsansatz am 10. Bund, und mit einer aus der massiven Fichtendecke geschnitzter Schalloch-Rosette. Der Korpus ist (wie üblich) aus Ahornspänen gefertigt und rötlich lackiert. – Ich bekam dieses Instrument in völlig desolatem Zustand von einem Bekannten zur Reparatur, irgendwann in den 70-ger Jahren. Damals hatte ich davon zwar noch keine Ahnung, doch umso mehr Nonchalence... Diverse Risse in der Decke bekam ich noch einigermaßen hin, doch der total verzogene Korpus überforderte meine Fertigkeiten, es blieb eine Spalte offen. Der Eigentümer hat sie dann abgeschrieben und mir überlassen. Sie ist zwar spielbar, doch letztlich primär zur Dekoration geeignet (zumindest die Vorderseite!).

 

2. n.n. · ca. 1920

Diese Lautengitarre hat mir meine Frau von einer Reise an die Nordsee 1990 mitgebracht: Die Fichtendecke ist braun deckend lackiert; das wurde damals oft gemacht, sei es als Mode-Trend, oder/und zum Vertuschen weniger guter Hölzer. Das Schalloch trägt eine aus Sperrholz gestanzte, eingeklebte Rosette, und der Korpus ist aus massiven Ahorn-Spänen gebaut. Der Halsansatz befindet sich am 11. Bund. Insgesamt ist sie sehr einfach gemacht, und zudem völlig ramponiert und mit verzogenem Hals... das rauhe Seeklima war ihr offensichtlich nicht gut bekommen! Ich habe sie wieder einigermaßen hin gekriegt. Jetzt hängt sie irgendwo ganz oben im Treppenhaus...

 

3. n.n. · ca. 1925

Dieses Exemplar ist vermutlich ein noch jüngeres Baujahr, denn der Halsansatz befindet sich am 12. Bund, wie bei den Wandergitarren. Diese Lautengitarre weist ebenfalls eine massive Fichtendecke auf, jedoch keine Schalloch-Rosette, und der Ahorn-Korpus ist tiefer und voluminöser, und dadurch gibt sie klanglich auch mehr her; die Späne sind abwechselnd blond/braun (gebeizt). Dieses Instrument ist gut spielbar und befindet sich insgesamt in sehr gutem Zustand; es gehörte zu einem ´Flohmarkt-Paket` von Stefan M.