KALAMAZOO KGN-12 · ca. 1941

Dieses Label ist hierzulande recht wenig bekannt. Die Firma Gibson baute – wie alle Mitbewerber –neben dem Stamm-Label immer auch unter anderen Namen Instrumente, meistens waren dies einfachere und billigere Ausführungen. Dies trifft auch auf die Kalamazoo-Acoustic-Gitarren zu; sie wurden von 1933 bis 1965 gebaut (neben andern Instrumenten). Die KGN-12 (Oriole-model) hat exakt die Ausmaße der Gibson L-0, 1942. Auch das Design von Hals, der hier wie dort keine Stahl-Verstärkung hat, sowie von Griffbrett und Kopf entspricht diesem Vorbild. Der Oberblock trägt die aufgestempelte FON 5754 H. Die Bauweise zeigt allerdings doch deutlich Unterschiede: Entscheidend ist vor allem die einfache Leiter-Verbalkung der Fichtendecke, was natürlich Einfluß auf den Klang hat, der nicht so stark und brillant ist wie bei der L-0. – Doch Gibson wäre nicht Gibson, und Kalamazoo nicht Kalamazoo, wenn das alles so einfach wäre: meine Kalamazoo KGN-12 unterscheidet sich zunächst von der allgemeinen Typenbeschreibung dadurch, dass anstatt von Mahagoni für Boden und Zargen ein sehr helles Holz (häufig wird Ahorn genannt; ich tippe eher auf Birke, die bei Gibson auch Verwendung fand) verbaut wurde, das sehr schön mit dem tortoise-Binding kontrastiert. Ebenso das Schlagbrett, das merkwürdigerweise die typische Gibson-Form hat (während bei der oben genannten Gibson L-0 eines mit der typischen Kalamazoo-Form Verwendung fand!). Und das Merkwürdigste ist der „opaque“, also deckende Lack auf der Decke, elfenbein-farben. Eine solche Ausführung ist mir nur bei ganz wenigen Exemplaren von Gibson J-35 bekannt. Sie macht meine Kalamazoo ziemlich einmalig! – Und ganz besonders reizvoll wirkt sie zusammen mit ihrer schwarzen Schwester (oder besser Cousine?!), der oben genannten Gibson L-0. Black and white… So kam ich zu einer Kalamazoo, nach der ich nie gesucht hatte (wohl aber nach einer schwarzen L-0!)