GIBSON Southern Jumbo 'Bannerhead' · 1943

Das Modell ´Jumbo` kam 1934 ins GIBSON-Programm als Antwort auf die Vorstellung Dreadnought des Konkurrenten C.F.MARTIN, vgl. die D-18. Hier die weiche "slope shoulder"-Form, dort das eher kantige ´Schlachtschiff` ("square shoulder"): der Trend ging hin zu "größer und lauter", bis die elektrische Verstärkung kam! Ab 1942 präsentierte GIBSON neue Modelle der Jumbo-Serie: Die J-35 und J-55 wurden abgelöst durch die Gibson J-45 und die Southern-Jumbo. Letztere wird (zumindest offiziell) nicht als SJ abgekürzt, weil dieses Kürzel bereits durch die "Super-Jumbo" SJ-200 besetzt war. Die Southern-Jumbo stellte während der Kriegsjahre das Flattop-Spitzenmodell dar (die SJ-Modelle wurden solange nicht gebaut). Und es war die Periode der "Bannerheads" mit dem Werbespruch "Only a Gibson is good enough" auf der Kopfplatte. Zunächst war Palisander für Boden und Zargen verwendet worden, doch dabei blieb es nur für die erste Serie (batch). Wegen Material- und Personal-Mangels mußte Während der Kriegsjahre viel improvisiert werden. Palisander wurde bald durch Mahagoni ersetzt, später auch durch Ahorn. Auf Produktions-Nummern wurde zeitweise gänzlich verzichtet (wenn welche vorhanden sind, tragen sie eher zur Verwirrung als zur Klärung bei). – Meine Southern-Jumbo wurde zunächst auf 1943 datiert; neuere Nachforschungen von Willi Henkes kommen auf 1944 (vgl. dazu www.banner-gibsons.com). Sie hat wie die meisten Southern Jumbos einen Mahagoni-Korpus mit der besonders geschätzten Adirondack-Fichten-Decke. Ab 1944 wurde stattdessen überwiegend Sitka-Fichte verwendet. Der recht kräftige Hals aus Ahorn mit zwei Palisanderspänen hat eine Stahlstab-Verstärkung; teilweise war während der Kriegsjahre darauf verzichtet worden, weil Stahl für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden mußte. Dafür wurden die Hälse dann fast unförmig dick gehalten, um die Stabilität zu gewährleisten. Das Griffbrett ist mit Perlmutt-Parallelogramm-Einlagen verziert, der Kopf trägt neben dem güldenen GIBSON-Logo die bereits erwähnte Banderole (daher die Bezeichnung ´Banner-Gibsons`) "Only a Gibson is good enough", mit der sich Gibson von 1942-46 selbst rühmte, bis Konkurrent Epiphone den Werbespruch mit "if good enough is not good enough" toppte. Später schluckte Gibson dann diesen Konkurrenten; Rache ist süß! Meine hier vorgestellte Southern-Jumbo ist bis auf die Stegeinalge original und in ausgezeichnetem Zustand. Sie klingt wunderbar voll und warm, tatsächlich noch besser als mein vorheriges, gutes Exemplar von Ende 1944. Die Adirondack-Decke bringt offenbar wirklich was! Der Original-Koffer ist auch dabei. – Die Southern-Jumbo wurde mit einigen Modifikationen noch bis 1962 gebaut; die frühen Exemplare blieben qualitativ unerreicht. (Vgl. auch Artikel "Sammlerstück" in ´Akustik-Gitarre` 5/1999)