RAAB, Hans, Wappen-Bass-Gitarre · München 1902

Bis ins erste Viertel des 20. Jahrhunderts wurde im Populär-Gitarren-Bau viel experimentiert (vgl. auch WINKLER, KOCHENDORFER), während die sog. klassische (spanische) Gitarre in ihrer Bauform bereits ziemlich genau definiert war (vgl. auch Gonzales). Die Bass-, Kontra- oder auch Schrammel-Gitarren (vgl. auch n.n.Bassgitarre) waren und sind vor allem Begleitinstrumente für die alpenländische Stuben- oder Schrammel-Musik (mit Hackbrett, Zither u.a.), nur selten werden sie für klassische Musik-Literatur genutzt. Weil das Volumen eines normalen Gitarren-Korpus die tieferen Frequenzen der zusätzlichen Basssaiten naturgemäß nur unzureichend laut wiedergeben vermag, regte sich immer wieder der Erfindergeist, um das Resonanzverhalten zu verbessern. Im Falle der Wappen-Bass- (oder auch Bogen-)Gitarre sollte die Verlängerung des Resonanzkörpers auf der Bass-Seite bis hoch zum Kopf, der nochmals als Resonanzkörper ausgebildet ist, zur Verbesserung der Bass-Wiedergabe dienen. Dabei wurde eine ungewöhnlich kühne, ästhetisch sehr ansprechende Form geschaffen. Sie geht auf F. SCHENK (1839-50) zurück, und Hans RAAB hat diese Gitarre 1902 kopiert. Sie ist sehr schön gearbeitet, hat wie die meisten Zupfinstrumente damals Fichtendecke und Ahornkorpus, zwei geschwungene Dreiecke als Schallöcher links und rechts der Griffbrett-Verlängerung (typisch für Wappen-Gitarren), sowie ein rundes Schalloch im rund geschwungenen Korpus des Kopfes. An den sind die speziellen, gravierten Mechaniken für die sechs greifbaren Melodie-Saiten sowie drei Extra-Baß-Saiten angepasst. Ich kaufte dieses faszinierende Stück samt dem entsprechend geformten Originalkoffer ca. 1978 von R. BLAZER (damals noch in Stuttgart). Bis auf wenige, kleinere reparierte Risse befindet sich diese Gitarre in sehr schönem Original-Zustand, und wenn auch die Spielbarkeit nicht unbedingt überzeugt (stark kopf-lastig), so ist sie jedenfalls ein optischer Leckerbissen! Und eine absolute Rarität (In Anbetracht des enormen Bau-Aufwands wundert es nicht, dass sie wenig Nachahmer gefunden hat).